| Ein Dorf feiert Geburtstag
Fränkischer Tag, 171. Jahrgang, Nummer 38 In der Ausgabe vom Fränkischen
Tag am 16.02.2005 berichtete die FT-Reporterin Ramona Popp Die Ausgabe des Fränkischen Tages erscheint täglich von Mo-Sa mit einer Auflage 3.314 Ausgaben für den Landkreis Lichtenfels. Der Fränkische Tag im Internet: www.fraenkischer-tag.de |
| "Ein Ruck ging durch die Ortschaft"
825 Jahre Schwürbitz: Festausschuss startete Vorbereitungen vor einem Jahr Schwürbitz. Acht Männer haben sich viel vorgenommen. Sie wollen in ihrem Dorf ein Fest aufziehen, von dem man noch lange sprechen soll. Sie sind keine Einzelkämpfer. 15 Ortsvereine stehen hinter dieser Idee, dass das 825-jährige Bestehen ihres Dorfes nicht sang- und klanglos vorüberziehen dürfen. Das Gemeinschaftsgefühl ist neu entfacht.von Ramona Popp Im März 2004 konstituierte sich er
Festausschuss mit Herbert Fleischmann an der Spitze. Doch die Idee war schon
einige Jahre zuvor geboren worden. Peter Lutter, Vorsitzender des
Turnvereins, erinnerte daran, dass 2005 ein kleines Ortsjubiläum anstünde:
"Wir sollten etwas machen für die Bevölkerung." Das letzte Ortsfest 2002
unter der Regie von FC, TV und dem Stammtisch "Gaaßn Club" war gut gelaufen
und daraus fasste man Mut für das Vorhaben, rekrutierte einen kleinen Kreis
Veranstaltngserfahrener. "Mit der geistigen Arbeit ist es nicht getan. Wir
wollten die Spezialisten aus den Vereinen dabei haben", schilderte Herbert
Fleischmann - Norbert Wich, den Bautruppführer als Praktiker, Rainer Wich,
den versierten Festkassier (FC), Organisationstalent Bernhard Härtel (TV),
den "Schreiber" und Gemeindearchivar Horst Habermann (FC) und als
Programmgestalter die in moderner Computertechnik fitten
Theatergruppenmitglieder Manfred König und Stefan Motschenbacher. Peter
Lutter (TV) ist stellvertretender Festleiter. Als unterstützende Kraft im
Hintergrund wirkt Sabine Petschner, die den Internetauftritt der Ortschaft
betreut und u.a. das Titelbild der kürzlich erschienenen Chronik gestaltete.
Den Mut nicht nehmen lassen "Wir haben uns den Mut nicht
nehmen lassen", betont Herbert Fleischmann. Um ein Startkapital
zusammenzubekommen, gab jeder Verein 200 Euro. Damit konnte beispielsweise
die Kurzchronik, die bei der Auftaktveranstaltung am 15. Januar der
Öffentlichkeit präsentiert wurde, vorfinanziert werden. Etwa die Hälfte der
1000 Exemplare dürfte schon verkauft sein, schätzt Fleischmann. Während auf
die ersten Aufrufe alte Bilder zur Verfügung zu stellen, nur zögerliche
Reaktionen kamen, scheinen die Aktivitäten um das Jubiläum inzwischen bei
der Bevölkerung das Interesse an vergangene Zeiten verstärkt haben. 190
Leute kamen zur Vorstellung der Festschrift und Bilderschau. Bei der
Jubiläumsveranstaltung am 12. März in der Turnhalle mit Chören und
Blaskapelle sind unter anderem eine Filmvorführung über die 800-Jahr-Feier
in neuer digitaler Qualität und eine kleine historische Ausstellung geplant.
Bezirksheimatpfleger Günter Dippold wird zu einem Vortrag über die
Ortsgeschichte im Oktober erwartet. |
| Ein Dorf feiert "Geburtstag"
825 Jahre Schwürbitz: Jubiläum bestimmt das ganze Jahr Schwürbitz. Nicht nur die
ausgewiesenen Festveranstaltungen sind Teil des Jubiläumsgeschehens. Das
ganze Jahr steht im Dorf unter der Überschrift "825 Jahre Schwürbitz". Das
Motto prangt für jedermann sichtbar auf den Ortstafeln, darunter werden
jeweils Hinweise auf aktuell Veranstaltungen angebracht, von Taubenmarkt bis
Theater. Wenn auch die Vereinsaktivitäten im klassischen Sinn nichts mit dem
Jubiläum zu tun haben, so will man doch zeigen: Wir sind eine lebendige
Gemeinschaft, unsere Vereine bieten eine Vielfalt an Aktivitäten an, und sie
bringen sich auch in das Jubiläumsgeschehen ein. Ein kulturelles Eigenleben
der Ortsteile ist ganz im Sinne der Michelauer Gemeindeverwaltung. Mit der
Eingemeindung 1978 sollte das nicht aufgegeben werden. In der großen
Ortschronik "800 Jahre Michelau in Oberfranken" vom früheren Bürgermeister
Herbert Perzel kann man nachlesen, dass die Schwürbitzer von der Aufgabe
ihrer Eigenständigkeit nicht gerade begeistert waren. Der Beschluss des
damaligen Gemeinderates unter der Führung von Bürgermeister Karl Götz Ende
1975 fiel mit 7:6 sehr knapp zugunsten des Anschlusses an Michelau aus.
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| Ein Ort zum Prügeln...
Um 1580 sorgten verworrene
Machtverhältnisse für anarchistische Verhältnisse im Dorf. Für schwere
Verbreche war der Bamberger Bischof zuständig, für die niedere
Gerichtsbarkeit jeder einzelne von insgesamt sieben Grundherren, wenn die
Tat innerhalb eines ihm zinspflichtigen Anwesens geschah. Auf
gemeindeeigenem Grund fühlte sich niemand zuständig. Wenn in umliegenden
Dörfern zwei aneinandergerieten, gingen sie nach Schwürbitz: Dort konnte man
sich ungestraft prügeln... |
| Staatsfeind aus Schwürbitz
Schwürbitz. In der Nacht zum 8. November 1611 fielen über 500 bewaffnete Männer in Schwürbitz ein, um einen Mann zu fassen, der wegen seines Widerstands gegen die Gegenreformation z einem Staatsfein im Hochstift Bamberg geworden war: Kilian Schauer. Gefasst wurde er nicht. Er starb sehr plötzlich am 4. Januar 1614 m Alter von Mitte vierzig in Weidhausen. Im Herzogtum Sachsen-Coburg hatte sich der Verfolgte ein Jahr zuvor zu seiner eigenen Sicherheit niedergelassen. Im Heimatort ist Gefahr In Schwürbitz, wo der um 1570 als Sohn eines evangelischen Pfarrers in Niederfüllbach Geborene bei seinem Stiefvater aufwuchs und später als Notar tätig war, konnte er sich nicht mehr aufhalten, nachdem er 1609 in einem Prozess vor dem Reichskammergericht Speyer gegen den Bischof un gegenreformatorische Zwangsmaßnahmen Klage führte. Er war wohl der einzige, der in der Gegend dazu im Stande war, denn es gab nur wenig akademisch Gebildete. Geschichte geschrieben Bis dahin hatten sich die Bürger von Marktzeuln und Marktgraitz standhaft geweigert, katholische Pfarrer zu akzeptieren. Bischof Johann Gottfried von Aschhausen erreichte sein Ziel schließlich durch die Gefangennahme der Familienväter im Ort. Unter dem Druck, ansonsten fortziehen zu müssen, sagten in der Folge etliche Bürger die Annahme des katholischen Glaubens zu. Der Prozess in Speyer sollte zu keinem Ergebnis führen. Doch man hatte lange die Stirn geboten. Es war nicht zuletzt der Verdienst Kilian Schauers, dass die kleinen Leute den Gang der Geschichte mitbestimmt haben. |